Smart Home – Fluch oder Segen?

Die technische Entwicklung schreitet mit schnellen Schritten voran. Vor wenigen Jahren zog die vernetzte Kommunikationstechnik in unsere Wohnungen ein. Heute lässt sich von der Heizungsanlage über die elektrischen Rollläden, die Waschmaschine, die Kaffeemaschine schon fast alles über Apps von fast jedem Ort der Welt steuern. Selbst der Kühlschrank meldet direkt an den Onlineshop, wenn die Vorräte zur Neigung gehen.

Das hört sich zunächst faszinierend an. Doch mal ehrlich, können Sie bei der heutigen Elektronik ihre moderne Heizungsanlage tatsächlich noch selbst einstellen, um einen optimierten Energieverbrauch zu bewirken? Haben Sie es am 26. März geschafft, die Sommerzeit ohne Blick in die oft recht unverständlichen Gebrauchsanweisungen an ihren Geräten einzustellen? Ich schaffte es jedenfalls nicht. Selbst einige erfahrene Handwerksunternehmen sind mit der heutigen Technik überfordert.

So wurde bei mir zu Hause erst bei der Heizungserneuerung vom „neuen“ Installateur festgestellt, dass die Heizkurven meiner alten Anlage, leider die ganzen 15 Jahre der eigentlich recht kurzen Lebensdauer, falsch eingestellt waren und ich dadurch vermutlich sehr viel Energie unnötig verpulvert habe. Ich hatte mich Winter für Winter über die hohen Temperaturen meiner Fußbodenheizung und die Trägheit meiner Heizkörper gewundert. Doch bei den jährlichen Wartungen erntete ich auf meine entsprechenden Hinweise auf die schlechten Einstellungsmöglichkeiten immer nur ein Achselzucken.

Doch kommen wir zurück auf das total vernetzte Haus der Zukunft. Einige Untersuchungen zu den bei der Planung errechneten und den dann tatsächlichen Energieverbräuchen nach Einzug kamen zu dem erschreckenden Ergebnis, je mehr Vernetzung, je höher die Verbräuche. Als Grund wurde die von vielen Bewohnern nicht beherrschte Bedienung ausgemacht.

Mein Fazit: Durch die viel gepriesene technische Revolution in unseren Wohnungen und Häusern wird wohl zukünftig vor dem Einzug ein Intelligenztest von den zukünftigen Bewohnern verlangt werden müssen. Spätestens alle drei Jahre wäre dann eine Nachprüfung durch den TÜV zu empfehlen. Ich befürchte jedenfalls, dass es die „intelligente Haustechnik“ nicht schaffen wird, die Bewohner zum richtigen Umgang mit ihr zu erziehen. Doch Scherz beiseite. Die intelligenten Stromzähler sind ja schon Realität. Sie machen uns auch in den eigenen vier Wänden zu gläsernen Menschen.

Die Versorger, die Kommunikationsanbieter wissen, zu welcher Zeit wir waschen, kochen, mit wem wir telefonieren und welche Internetseiten wir aufrufen. Viele mag diese Vorstellung nicht beunruhigen. Für mich ist das ein Eingriff in meine Persönlichkeitsrechte. Ich befürchte allerdings, wir werden uns am Ende der technischen Entwicklung geschlagen geben müssen. Ich empfehle in diesem Zusammenhang die Lektüre des Buches “Blackout”. Autor ist Marc Elsberg. Ein science fiction Roman, der einem zum Nachdenken bringt.

Ihr Bernd Richter
Geschäftsführer Haus & Grund Landesverband Bremen e.V.