Mietanstieg in Bremen wirklich überproportional?

Überproportionale Steigerung der Bruttokaltmieten in Bremen, so titelte der Weser Kurier Anfang Januar. Diese seien zwischen 2010 und 2014 um 14 % gestiegen. Diese Aussage berücksichtigt jedoch nicht, dass selbst die Mieterorganisationen noch die Politik bestreiten, dass das Mietniveau in Bremen im Gegensatz zu anderen Großstädten noch sehr moderat ist. Wenn in Bremen in vier Jahren eine Miete von Euro 5,00/m² auf Euro 5,70/m² steigt, entspricht das zwar einer Steigerung von 14 %. In Hamburg dagegen liegt die durchschnittliche Bruttokaltmiete eher im Bereich von Euro 10,00/m². Eine Erhöhung um Euro 0,70/m² entspricht dann nur einer moderaten Steigerung von 7 %. Es kommt somit wie immer auf die richtige Darstellung an.

Das Leben in der Stadt hat nun einmal in den letzten Jahren an Attraktivität gewonnen. Das wirkt sich auch auf das Wohnungsangebot und das Mietniveau aus. Während die Mieten in allen Ballungsräumen aufgrund gestiegener Nachfrage in die Höhe gehen, sind Wohnungen in ländlichen Gebieten kaum mehr zu vermieten oder zu annehmbaren Preisen zu verkaufen. Des einen Leid ist wie so oft des anderen Freud. Eine repräsentative Befragung des Hamburger Forschungsinstitutes Analyse & Konzepte unter Mietern, in Groß- und Mittelstädten über 50.000 Einwohnern, kommt zu dem Ergebnis, dass 56 % der Befragten die Miethöhe als angemessen und nur 2 % als viel zu hoch einstufen. Die Berichterstattung in den Medien und die tatsächliche Wahrnehmung der angeblich gebeutelten Mieter klafft doch deutlich auseinander.

Auch eine repräsentative Umfrage von Haus & Grund Deutschland aus dem Jahre 2016 kommt zu einem abweichenden Ergebnis zur öffentlichen Wahrnehmung.

Nur in den ersten Jahren liegen die Neuvertragsmieten privater Vermieter oberhalb der sogenannten ortsüblichen Vergleichsmiete. Nach in der Regel fünf Jahren Mietdauer rutschen die vereinbarten Mieten unterhalb dieses Wertes. Diese Abweichung zu Gunsten der Mieter nimmt mit der Dauer des Mietverhältnisses noch deutlich zu. Private Vermieter sind nun einmal an langfristigen, funktionierenden Mietverhältnissen interessiert und verzichten dafür in der Regel auf regelmäßige Mietanpassungen.

Die wahren Ursachen für steigende Mieten sind da schon eher in der Unvernunft der politisch Verantwortlichen aller Couleur zu suchen. Ständig neue Anforderungen in Sachen Klimaschutz, die Erhöhung von Abgaben und insbesondere der Grunderwerbsteuer verteuern das Wohnen langsam ins Unbezahlbare für Normalverdiener und Rentnerhaushalte. Allein die Entlastung der Kohleindustrie durch Gabriel und Hendricks im letzten November bedeutet durch die Veränderungen des Klimaschutzplanes 2050 für den Wohnungsbestand, dass eine Vielzahl älterer Immobilien für viel Geld auf einen energetischen Standard gebracht werden müssen, der sich wirtschaftlich in keiner Weise rechnet. Im September wird der Bundestag neu gewählt. Nun dürfen wir gespannt sein auf die Wahlprogramme der Parteien. Nur die Forderung nach bezahlbaren Mieten hilft nicht weiter. Die Politik muss sich verabschieden von überzogenen Baustandards und dem ständigen Drehen an der Abgaben- und Steuerschraube. Sonst wird es immer weniger Menschen geben, die in den Wohnungsbau und die Bestandspflege investieren.

Ihr Bernd Richter
Geschäftsführer Haus & Grund
Landesverband Bremen e.V.