Hohes Bevölkerungswachstum im Land Bremen – Echt oder unecht?

Die Zahlen des Statistischen Landesamtes klingen zunächst beeindruckend. Die Bevölkerung in Bremen und Bremerhaven wuchs im letzten Jahr um beeindruckende 9.601 Personen. Ein vergleichbares Plus gab es zuletzt im Wendejahr 1989. Doch was lässt sich aus diesen beeindruckenden Zahlen ableiten? Handelt es sich um einen langfristigen Trend? Werden die vielen Neubürgerinnen und Neubürger in Bremen bleiben oder mittelfristig ihr Glück in anderen Städten suchen, die z.B. in Punkto Arbeitsplätze mehr zu bieten haben?

Ein genauerer Blick auf das umfangreiche statistische Zahlenwerk empfiehlt sich. Dabei wird deutlich, dass der Wanderaustausch innerhalb Deutschlands weiterhin negativ ist. Rund 3.100 Menschen verloren Bremen und Bremerhaven im Saldo an die anderen Bundesländer. Noch gravierender stellt sich der Bevölkerungsverlust gegenüber unserem unmittelbaren Nachbarn Niedersachsen dar. 8.465 Bremer und Bremerhavener zogen in „das Umland“ und damit auch ihre Einkommensteuerzahlungen. Unser Bundesland konnte dagegen nur 5.825 „Nachbarn“ davon überzeugen, welche Qualitäten hier zu finden sind. Gründe liegen nicht zuletzt bei den Immobilienpreisen, dem Baulandangebot, der Lebensqualität und – oft in Gesprächen mit unseren Mitgliedern zu hören – in der als negativ bewerteten Bildungspolitik in unseren beiden Städten.

Woher kommt nun der so große Bevölkerungszuwachs? Dafür ist allein die hohe Anzahl von Schutzsuchenden ausschlaggebend. Allein aus dem kriegsgebeutelten Syrien sind 2015 3.706 Menschen zu uns gekommen. Für die meisten Asylbewerber ist glücklicherweise zwischenzeitlich die Zeit der Notunterkünfte in Zelten und Turnhallen vorbei. Hier hat Bremen in einem Kraftakt einiges auf die Beine stellen können. Doch ist diese Bevölkerungsentwicklung nachhaltig? Können daraus wirklich belastbare Prognosen, z. B. für den Bedarf an Wohnungsneubedarf, Schulen und Kindergärten abgeleitet werden? Ich meine nein. Die meisten dieser Menschen haben ihre Heimat nicht freiwillig verlassen. Sie werden gerne in ihre Heimatländer zurückgehen, sobald sich die Lage dort wieder entschärft hat. Das ist ihnen von Herzen zu wünschen.

Ihr Bernd Richter,
Geschäftsführer Haus & Grund Landesverband Bremen e.V.