Gut behütet oder bevormundet?

Politiker versuchen uns Bürger mit immer neuen Normen und Auflagen zu einem angeblich gesellschaftskonformen Verhalten zu zwingen. Die Freiheit des Einzelnen droht dabei auf der Strecke zu bleiben.

Wollen wir soviel „Schutz“ wie in den angeblich so freien USA? Da riskieren Firmen hohe Strafen, wenn sie z. B. in einer Gebrauchsanweisung für eine Mikrowelle vergessen darauf hinzuweisen, dass diese nicht für die Trocknung nasser Hauskatzen geeignet ist. Doch wie sieht es bei uns aus? Neben einem gesetzlichen Rauchverbot auf Spielplätzen, auf das zukünftig Plaketten und Schilder hinweisen werden, sollen die Bremer Spielplätze nun mit weiteren Hinweisschildern ausgestattet werden, die auf die Gefahren von Fahrradhelmen und Schlüsselbändern bei Nutzung der vorhandenen Spielgeräte aufmerksam machen.
Gut gemeint, aber doch, so meine ich, ein wenig absurd. Genauso wie die vor einigen Jahren installierten Schilder, die auf die „waffenfreie Zone“ in Bremen hinweisen. Hier fühlt man sich schon etwas in den Wilden Westen zurückversetzt.

Ein anderes Beispiel: Auch in unserem schönen Bremen müssen alle Wohnungen bis zum 31.12.2015 mit Rauchwarnmeldern ausgestattet werden. Mehr als 2 Mrd. Euro dürfte die Nachrüstung kosten. Hinzu kommen die jährlichen Wartungskosten. Wohnen wird somit wieder einmal teurer. Und wem haben wir das zu verdanken? Einem Lobbyverein mit Namen „Forum Brandrauchprävention“. Dahinter stecken u.a. die großen Hersteller und Dienstleister der Rauchmelderbranche genauso wie Heizkostenableser, die sich ein gutes Zubrot durch Wartungsaufträge versprechen.

Laut einem Spiegel-Bericht lässt sich statistisch nicht belegen, dass Rauchmelder wirklich die Sicherheit verbessern. Die Zahl der Todesfälle bei Wohnungsbränden ist in den vergangenen 10 Jahren zwar allgemein zurückgegangen. Doch verblüffender Weise, so der Spiegel, fiel der Rückgang in Bundesländern, in denen keine Rauchmelderpflicht bestand, stärker aus als in Bundesländern mit einer bereits bestehenden Rauchmelderpflicht.
Wir können fortfahren mit der in der Trinkwasser-Verordnung geregelten Legionellenüberprüfungspflicht in Mehrfamilienhäusern. Auch hier wird mit der Angst der Bürger gespielt. Ob tatsächlich schwere Lungenerkrankungen vermieden werden können, lässt sich auch in diesem Fall nicht wirklich belegen.

Früher bedeutete Freiheit, alles tun zu dürfen, was einem anderen nicht schädigt. Heute wird die Freiheit des Einzelnen zunehmend mit Füßen getreten. Bei Füße kommt mir doch noch eine Idee für einen hilfreichen Aufkleber an den Innenseiten der Haustüren: ein Schuhsymbol mit offenem Schnürsenkel, darüber ein roter Balken. Denn auch offene Schnürsenkel können unsere Gesundheit gefährden.

Ihr Bernd Richter,
Geschäftsführer Haus & Grund Landesverband Bremen e.V.