Was ist los auf unseren Immobilienmärkten?

Fast über Nacht vor gut zwei Jahren ging es los. Betongold war nach Jahren der Stagnation plötzlich wieder gefragt. Dazu beigetragen hat in erster Linie die Angst um die eigenen Ersparnisse. Hält der Euro durch oder schaffen es unsere Politiker nicht, EU und Euro zu retten? Sind unsere Renten noch sicher oder müssen wir alle Armut im Alter befürchten. In diesen „unsicheren Zeiten“ erscheint es nun vielen, die vorher noch über den Verkauf ihrer Immobilie nachgedacht haben, sinnvoll, vielleicht eine oder eine weitere Immobilie zu erwerben.

Doch ist es gesund, wenn selbst seriöse Banken schon wieder mit dem Slogan werben, dass sich auch eine Immobilie ohne Eigenkapital risikolos erwerben lässt? Wie lange bleibt das Zinsniveau noch auf seinem derzeitigen historischen Tief? Ein Einfamilienhaus heute für Euro 300.000 mit einer dreiprozentigen Verzinsung finanziert, kann in wenigen Jahren bei einem Zinssprung auf vielleicht 6% dann zu einer monatlichen Mehrbelastung von Euro 750 führen. Das verkraften nicht alle! Wie lange dann die derzeitigen Immobilienpreissteigerungen von 5-8% jährlich bei steigenden Zinsen noch weiter gehen, steht in den Sternen.

Viele Kaufinteressenten haben Angst, nicht mehr rechtzeitig auf den fahrenden Zug aufzuspringen. Wer genug Geld in der Portokasse hat, der kann sich auch eine teure Immobilie leisten. Wer auf einen hohen Finanzierungsanteil angewiesen ist, der sollte bedenken, dass eine Immobilie auch instand gehalten werden muss. Manchmal genügt dann auch nicht mehr eine einfache Botox-Spritze (ein neuer Farbanstrich), sondern es ist eine Kernsanierung erforderlich, um die energetischen Anforderungen und die Anforderungen der älteren Generation an das zukünftige Wohnen zu erfüllen. Sind diese notwendigen Investitionen richtig kalkuliert? Dann gibt es ja auch noch die Kaufnebenkosten, Grunderwerbsteuer, Notar- und Gerichtskosten sowie eine mögliche Maklercourtage, die sich dann durchaus mal auf bis zu 12% des Kaufpreises beziffern. Diese 12% müssen erst einmal durch Wertsteigerungen in der Zukunft aufgefangen werden, um einen Verkauf zu einem späteren Zeitpunkt ohne Wertverlust überhaupt zu ermöglichen. Immer neue Anforderungen von Seiten des Staates tragen nicht dazu bei, die Wohnkosten in Zukunft niedrig zu halten. Wenn Investitionen z. B. zur Verbesserung der Energiebilanz erwartet werden, dann müssen die Rahmenbedingungen dafür auch stimmen.

Weder hat es der Vermittlungsauschuss von Bundestag und Bundesrat vor der Som- merpause geschafft, eine Einigung in dem seit Monaten schwelenden Streit um die steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung zu erzielen. Noch haben die Länder – ebenfalls in der letzten Sitzung des Bundesrates vor der Sommerpause – sich dazu durchringen können, in wesentlichen Punkten dem Regierungsentwurf der Mietrechtsreform zuzustimmen. In diesem investitionsfeindlichen Klima das Klagelied der steigenden Mieten und der Wohnungsverknappung in den Ballungsgebieten anzustimmen, ist alles andere als zielführend.

Nun setzt der Mieterbund dem Ganzen auch noch eine Krone auf und fordert, die Mieten bei Neuvermietung auf maximal 10% über der ortsüblichen Vergleichsmiete zu deckeln. So kann man jedenfalls Investitionen in Bestandsimmobilien nicht fördern! Unsere Empfehlung an Kaufinteressierte: Verlassen Sie sich bei einem Immobilienkauf nicht nur auf Ihr Bauchgefühl. Lassen Sie sich nicht zu einer übereilten Kaufentscheidung drängeln. Schalten Sie auch rechtzeitig Ihren Taschenrechner ein und vergessen nicht die vielleicht notwendigen Instandhaltungskosten, die Kaufnebenkosten und die laufenden Betriebskosten Ihrer ins Auge gefassten Immobilie.

Ihr Bernd Richter
Geschäftsführer Haus & Grund Bremen e.V.