Spare in der Zeit, so hast Du in der Not

Dieses alte Sprichwort wird zumindest von den meisten Immobilieneigenümern beherzigt. Man muss ja Vorsorge treffen, um bei einem Heizungsausfall im Winter schnell daür sorgen zu können, dass die Mieter oder man selbst nicht frieren. Die politisch Verantwortlichen in Bremen lernen offensichtlich jedoch nicht dazu. So führt das „Schwarzbuch“ des Bundes der Steuerzahler in seiner neuesten Ausgabe wieder 10 Fälle der Geldverschwendung im Lande Bremen und in Niedersachsen auf. Dazu gehört das Edel-Klo unter dem Domshof, im Volksmund auch „Palazzo-Pisso“ genannt, für das immer noch jährlich rd. Euro 500.000 als Unterhaltungspauschale gezahlt werden.

Aufgelistet werden auch die teuersten Parkplätze Bremens zwischen der Hollerallee und dem Concordia-Tunnel. Dieser Straßenabschnitt einschließlich Tunnelanlage wurde für rd. 20 Millionen Euro umgebaut, um den Verkehrsfluss zu verbessern. Heute steht der Straßenzug als kostenlose Parkplatzfläche zur Verfügung. Der Verkehr quält sich weiter durch diesen Engpass.

Auch die Ampelanlagen direkt neben den intakten Fußgängerbrücken in der Kurfürstenallee werden genannt. Baukosten hier immerhin rd. Euro 500.000. Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert, so jedenfalls der Volksmund. Eine Markthalle auf dem Sedanplatz in Vegesack, die kurz nach der Eröffnung schon wieder leer steht und die niemand wollte. Ein Aussichtsturm mit eingeschränktem Blickwinkel im Bereich der Gläsernen Werft, den kaum jemand besteigt. Neuestes Beispiel: der gerade im Bau befindliche Tunnel unterhalb des Sedanplatzes als Verbindung zwischen Tiefgarage und neuem Ortsamt. Von der Bevölkerung als unsinnig angesehen, von der Politik in Auftrag gegeben. Nun eine Kostenexplosion von zunächst geschätzten Euro 370.000 auf rd. Euro 750.000.

Bevor man den Pfennig ausgibt, sollte man ihn dreimal in der Hand drehen. Dann wäre man vielleicht auf die Idee gekommen, in Zeiten knapper Kassen beim Senator für Umwelt, Bau und Verkehr keine zweite Staatsrätinnen Stelle zu besetzen. Absurd klingt es auch, dass nun unser neuer Umweltsenator die Installation einer Fahrradzählstation befürwortet im Wissen, dass das hierfür benötigte Geld sicherlich besser in die Instandsetzung der Fahrradwege zu investieren ist. Die Lipper haben es vor ein paar Jahrhunderten vielleicht etwas übertrieben mit dem Drehen des Pfennigs vor der Ausgabe. Aber immerhin, so der Volksmund, wurde so der Kupferdraht erfunden und spüte wieder Geld in die Kassen. In diesem Sinne, die Politik kann viel von uns Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer lernen.

Ihr Andreas Schemmel,
Vorsitzender Haus & Grund Landesverband Bremen e.V.